5.1 Häufige Probleme

Fallvignette
Die Fallgeschichte soll möglichst kurz gehalten sein (wenig Leseaufwand) und nur die zur Bearbeitung des gegenständlichen patientenbezogenen Problems nötigen Informationen enthalten: *Angaben zur Person (Alter, Geschlecht, Beruf, … ), zum *Umfeld (räumlich, organisatorisch, … ), zum *Grund der Konsultation, anamnestische Angaben (Beginn, Dauer, Qualität, Wiederholung, … ), physikalisch -klinische Befunde, Laborbefunde, Angaben zum zwischenzeitlichen Verlauf usf. (* = obligatorisch).

Wichtig ist, dass man die Vignette tatsächlich zur Beantwortung benötigt und sie nicht bloß als „klinische Zierde“ anzusehen ist. Anstelle von „Vorinterpretationen“ im Text (z.B. „Röntgen zeigt keinen pathologischen Befund“) sollte man  Originalmaterial (Bilder, Laborwerte etc.) einsetzen.

Generische Fragen
Was ist die wahrscheinlichste Diagnose? ... der wichtigste erste oder nächste Schritt bei der Abklärung? … der in dieser Situation aufschlussreichste Laborparameter? usf.
Zahlreiche weitere Beispiele in (1, 3).

Distraktoren (SOGENANNTE falsche Antworten)
Es muss nicht immer „eindeutig falsch“ sein (siehe oben).
Wie finde ich geeignete Disktraktoren siehe unten)?

Wann ist eine negative Frage erlaubt?
Negative Fragen sind nur dann erlaubt, wenn es inhaltlich um die eine, wichtige Kontra-indikation oder eine andere wichtige Ausnahme geht.

Achtung: Da negative Formulierungen inhaltlich selten relevant sind, muss der Prüfungs-ausschuss im Zuge des Redaktionsprozesses die Sinnhaftigkeit einer negativen Fragestellung explizit bestätigen.

Wie kommt man von einfachen Wissensfragen zu einem höheren Anforderungsniveau?
Wenn man einen Entwurf als Frage auf dem Niveau Faktenwissen identifiziert hat, sollte man überlegen, ob man nicht anstelle von Was? Oder Wie heißt? nach Warum? fragen sollte. Es kann auch hilfreich sein, die Fragelogik umzudrehen: Abb. 3: „Welches Gebiet versorgt die Arterie?“ wird zum Problem „Symptombeschreibung > Um welches Areal handelt es sich? > Welche Arterie ist hier blockiert?“

Für die Medizin typische Strategien zur Hebung des Anforderungsniveaus sind natürlich Fallbeschreibungen und die Interpretation von Befunden, Grafiken oder Bildern. Auch die Verwendung von mehr als einer Prämisse für die Lösung eines Problems (z.B. Therapie bei Komorbidität) und die Bewertung von Optionen können das Anforderungsniveau heben. Hilfreich dafür sind auch die verschiedenen generischen Fragen zur Bearbeitung von Patientenproblemen (1, 3, 6). Zahlreiche Beispiele für die Gestaltung von Anwendungsfragen für alle Fächer in (1) ab p129.

Wie kann man den Schwierigkeitsgrad einer Frage beeinflussen?
Detailliert ausgearbeitete Beispiele für die Gestaltung von Vignette und Optionen findet man in (3, 4). ZB. Ist eine Frage leichter zu beantworten, wenn die Optionen inhaltlich weit auseinanderliegen – und kann sehr viel schwieriger werden, wenn subtile Unterscheidungen zu treffen sind.

Wie kann man Fragen vermehren?
Gerade fallbezogene Aufgaben lassen sich gut systematisch abwandeln (4). Hat man eine schöne Fallgeschichte mit guten Optionen, kann man einerseits die Angaben in der Vignette variieren. Andererseits kann man relativ leicht neue Vignetten so erstellen, dass jedes Mal eine andere Option die richtige Antwort ist.

Wie viele Optionen sind wirklich erforderlich?
Jeder Fragenentwurf ist mit fünf (max. sechs) Optionen einzureichen. Der Prüfungsausschuss kann im Zuge des Reviews eine absolut unpassende, nicht plausible Option schon beim Prä-Review weglassen. Stellt sich nach dem Einsatz in einer Prüfung heraus, dass bestimmte Optionen gar nicht gewählt werden, dann können diese ausgewechselt – oder auch ganz gestrichen werden. Aus testtheoretischen Gründen sollen bei wiederverwendeten Fragen aber mindestens drei Optionen vorhanden sein.

Wie finde ich die „falschen Antworten“?
Achtung! Häufiges Missverständnis! Die „nicht richtigen Antworten“ müssen keineswegs „absolut falsch“ sein. Im Gegenteil – sie sollen plausibel sein und nicht auf den ersten Blick als völlig unwahrscheinlich imponieren. Distraktoren können aus häufigen Fehlmeinungen zum gegenständlichen Problem abgeleitet werden. Manche Lehrende notieren sich fehlerhafte Antworten bei Zwischenprüfungen oder Rekapitulationen des Stoffs. Manchmal kann man beim Einsatz von Fragen mit Lückentext geeignete, unzutreffende Formulierungen sammeln.

Warum wird nur ein Fragentyp verwendet?
Man kann mit dem einfachen Fragentyp „Single-best“ inhaltlich weitestgehend das Auslangen findet: Nur wenn ein anderer Fragentyp das zu prüfende Konstrukt nachweislich wesentlich besser abbildet – oder wenn ein wichtiger Aspekt mit dem Universaltyp A nicht erfasst werden kann, sollte man den Einsatz anderer Typen erwägen (siehe oben).

5.2 Kurzcheck einer MC-Frage

Abdecktest
Deckt man die Optionen einer Typ A-Frage ab, muss auf diese Frage trotzdem eine frei gegebene Antwort möglich sein (Abb. 3). Die Lösungsinformation ist im Stamm enthalten.

Fragen vom Typ „Welche Aussage trifft (nicht) zu?“ bestehen den Abdecktest nicht und sind obsolet: Sie sind in aller Regel Faktenfragen, enthalten häufig heterogene Optionen (Abb. 5), werden häufig negativ formuliert und mit Verneinungen in den Optionen kombiniert.

Umgekehrter Abdecktest
Deckt man die Vignette einer Typ A – Frage ab, dann darf die Frage NICHT beantwortbar sein. Die Lösungsinformationen sollen ja in der Vignette enthalten sein. Kann man die Frage doch beantworten, dann ist die Vignette bloß als „Zierde“ anzusehen. Solche Fragen beziehen sich häufig auf Faktenwissen und werden nicht verwendet.

Selbsttest für Autoren: Wichtige Fragen...

...zum Stamm
Alle Pflichtelemente enthalten? Verständlich? Textmenge reduzierbar? Bilder, Befunde statt Text? Überflüssige Infos?

...zur Fragestellung
Von Stamm / Vignette abgesetzt? Verständlich?

...zu den Optionen
Kurz? Verständlich? PLAUSIBEL? Inhaltlich und nach Länge homogen? Textmenge reduzierbar? Richtige Antwort bezeichnet?

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